Hamburg: Hafengeburtstag der Rekorde

Der Hafengeburtstag 2011 stellt einen neuen Besucherrekord auf.
Strahlender Sonnenschein, mehr Schiffe als je zuvor und über 1,5 Millionen gut gelaunte Besucher bildeten eine eindrucksvolle Kulisse: Der 822. Hamburger Hafengeburtstag wurde zu einem Fest der Superlative. Viele prominente Gäste waren zum größten Hafenfest der Welt in die Hansestadt gekommen, unter ihnen auch königlicher Besuch aus Norwegen: Kronprinz Haakon hatte das Fest am Freitag gemeinsam mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) eröffnet.

Sehen Sie die Höhepunkte des Hafengeburtstags auch in eine Foto-Show.

Windjammerfestival beginnt mit Einlaufparade

Bremerhaven. Rund 220 Schiffe aus 17 Nationen und mehr als eine Million Besucher werden von heute an beim Windjammerfestival Sail 2010 in Bremerhaven erwartet. Bevor Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Sail am Nachmittag eröffnet, können die Besucher jetzt schon die Einlaufparade betrachten.


Das historische Segelschiff „Flying Dutchman“ begegnet am Mittwoch während der Einlaufparade zum Treffen der Windjammer „Sail 2010“ in Bremerhaven dem Containerriesen „Elly Maersk“.

Die Ruhe vor dem Sturm blieb gestern aus: Rund um den Alten und Neuen Hafen in Bremerhaven herrschte bereits einen Tag vor der Sail geschäftiges Treiben. Buden wurden aufgebaut, Einheimische und Touristen schauten sich nachmittags in Scharen auf dem Gelände um – als seien alle Großsegler schon in die Seestadt eingelaufen. Dabei war das erste Schiff, die indonesische ‚Dewaruci‘, erst für 18 Uhr angekündigt.

‚Die Spannung ist doch zu spüren. Es geht los‘, sagt Walter Hensing voller Enthusiasmus. Der Rentner aus Loxstedt steht gerade an der geöffneten Klappbrücke, die den Neuen Hafen vom Kaiserhafen trennt. Er betrachtet einen Schlepper, der zügig durch den Engpass fährt, in Richtung Sportbootschleuse.

Doch die Schaulustigen an der Brücke faszinierte nicht bloß die Schlepper. Es war der vorzeitig eingetroffene erste Star des Windjammertreffens: das Vollschiff ‚Amerigo Vespucci‘ machte schon um 16 Uhr an der Kaje des Kaiserhafens 1 fest. Das 82,4 Meter lange Schiff steht im Dienst der italienischen Marine und ist mit seiner Optik einer der beliebtesten Windjammer. ‚Das ist einfach toll‘, sagt Hensing, als sich sein Blick vom Schlepper löst.

Das geht den Abend über so weiter. Das Hafenbecken füllt sich immer mehr, auch heute werden noch Schiffe ankommen. Über 240 haben die Veranstalter angekündigt – so viele, dass sie zum Teil in Fünferreihen im Hafen liegen werden. Mehrere Dutzend Schiffe machen außerdem im Fischereihafen fest.

Heute Vormittag wird es ein Sail-In geben, bei dem fünf Großsegler die Weser aufwärts nach Bremerhaven fahren. Gegen 11.30 Uhr sollen sie vor dem Weserdeich kreuzen. ‚Hoffentlich bleibt es nicht so stürmisch‘, sagt Volker Kölling, Chef der Bremerhavener Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS. Ihm blies der Wind gestern etwas zu stark.

Andere nehmen die Böen seemännisch gelassen. ‚Das ist hier nun einmal so‘, sagt Anneliese Kuscher. Die 57-Jährige ist mit ihrem vier Jahre älteren Ehemann Eckhart eigens zur Sail nach Bremerhaven gekommen. Sie stehen nun 500 Meter entfernt vom italienischen Operettenschiff an der Westseite des Neuen Hafens und schauen sich zwei kleine niederländische Schiffe an.

‚Wir stammen aus Fürstenfeldbruck‘, sagt Eckhart Kuscher. ‚Wir waren zufällig vor zwei Jahren hier, als Lütte Sail war‘, erzählen die beiden. Das habe ihnen so sehr gefallen, dass sie nun wiederkommen. ‚Und zwar gleich für alle fünf Tage.‘ Die besondere Atmosphäre einer Sail, die man auch am Vortag der Eröffnung schon spüren kann, genießen sie in vollen Zügen. ‚Schiffe sind mein Hobby‘, sagt Kuscher, der ein eigenes Boot in Hamburg liegen hat. ‚Segler gibt es auf den bayrischen Binnenseen ja auch‘, erzählt der Schiffsfan. Natürlich sind die dann nicht so groß wie die Schiffe in Bremerhaven. Deshalb haben sich die beiden wetterfest ausgestattet und fest vorgenommen, so viele Segler und Marineschiffe zu besichtigen wie nur möglich.

Das wiederum wird Peter Rodekuhr nicht tun. Der Amateurmaler hat einen Verkaufsstand auf dem größten Windjammertreffen Deutschlands. In einer kleinen Holzhütte vor dem Auswandererhaus stellt er eigene Gemälde aus, 15 an der Zahl. ‚Die habe ich seit Februar gemalt‘, berichtet er beim Ausrichten der letzten Bilder an der Wand. Zu sehen ist Helgoland, der Leuchtturm Roter Sand, dazu melancholische Sturmbilder und moderne Hafenszenen. ‚Ich möchte gerne mit Menschen ins Gespräch kommen‘, sagt der Bremerhavener Rodekuhr. Und hofft, dass er Bilder verkaufen wird.

Ebenfalls ins Gespräch kommen wollen die Liaisons, die in ihren roten Polo-Shirts schon heute über das Gelände laufen. Die freiwilligen Verbindungsoffiziere sorgen für das Wohlergehen der Schiffsbesatzungen. ‚Sie sollen Bremerhaven in guter Erinnerung behalten. Dazu sind wir da‘, berichtet Tanja Tomechna, die ein französisches Schiff und eine schwedische Kogge betreut. Beide sind zu diesem Zeitpunkt am Nachmittag noch nicht angekommen.

Heute wird der Startschuss zur Sail fallen – ganz feierlich und offiziell. Doch begonnen hat sie in den Köpfen von Bremerhavenern und Gästen schon vorher.

Heute gegen 10.30 Uhr werden sich einige Großsegler unter Führung der ‚Gorch Fock‘ beim sogenannten Sail-In den Besuchern an der Weser-Promenade zeigen. Anschließend nehmen die Schiffe die ihnen zugedachten Liegeplätze an der Seebäderkaje und im Neuen Hafen ein.

Um 16 Uhr eröffnet Bremerhavens Oberbürgermeister Jörg Schulz die Sail neben der ‚Gorch Fock‘ mit den traditionellen Böllerschüssen.

Willkommen zur Sail Bremerhaven 2010

Wenn Bremerhaven gemeinsam mit der Freien Hansestadt Bremen zum achten Mal seit dem 150jährigen Stadtjubiläums Bremerhavens zum internationalen Festival der Windjammer „Sail Bremerhaven 2010″ einlädt, geht es nicht allein um Tradition und gelebte Geschichte. Nicht allein um die Schönheit und Eleganz großer und kleiner Segelschiffe. Und auch nicht darum, möglichst vielen Gästen das neue Bremerhaven des Jahres 2010 vorzustellen.

„Sail Bremerhaven 2010″ will wie alle ihre Vorgängerinnen Identität und Image schaffen. Sie ist Botschaft und Botschafter zugleich für eine Stadt, die wie kaum eine andere mit dem Meer verbunden und gewachsen ist – mit Menschen anderer Nationen, ihrer Kultur und ihrem Selbstverständnis. Und deshalb ist die Idee von „Sail Bremerhaven“ vor allem auch ein Fest, das Menschen verbindet.

In einem Zeitalter der Globalisierung hilft „Sail Bremerhaven“ bei der Überwindung von Grenzen auf Landkarten und in den Köpfen von Menschen – wirbt für Toleranz, Verständnis und Vertrauen. Und zu dieser guten Tradition gehört auch, dass Bundespräsidenten oder Bundeskanzler die Schirmherren sind und dass die Bark „Gorch Fock“ der Deutschen Marine auch 2010 wieder das Flaggschiff der neuen „Sail“ ist, mit der wir unseren Gästen 183 Jahre nach der Stadtgründung Gastgeber sein wollen in einer Stadt, die sich aus ihren maritimen Wurzeln zu einer der modernsten europäischen Metropolen der Hafenwirtschaft, des Schiffbaus, der Lebensmittelwirtschaft, maritimen Forschung und Technologien entwickelt hat.